Feurio - es brennt. Wen würde dieser Ruf nicht in Angst und Schrecken versetzen. Der Verlust von Hab und Gut, ja oft genug der gesamten Existenz, sogar von Leben und Gesundheit waren und sind heute wie früher gefürchtet. Unsere Vorfahren haben sich daher bereits manches einfallen lassen, um Feuersgefahren und Bränden vorzubeugen oder zumindest deren Folgen abzumildern. Für Obermurach war es ein langer Weg bis die Freiwillige Feuerwehr Obermurach das wurde, was sie heute ist: Der unverzichtbare gesellschaftliche Mittelpunkt des Dorfes.

Von Seiten der bayerischen Behörden wurden im 19. Jahrhundert zahlreiche Maßnahmen ergriffen, angefangen von feuerpolizeilichen Vorschriften und Kontrollen bis hin zur Bildung von staatlichen Versicherungsgesellschaften. 1811 wurde eine Landesbrandversicherungsanstalt errichtet, um die materiellen Schäden abzufedern. Aber auch die Bürger selbst blieben nicht untätig. Ab 1848 entwickelte sich das Freiwillige Feuerwehrwesen.  Die erste Oberpfälzer Freiwillige Feuerwehr entstand 1858 in Regensburg. Die freiwillige Feuerwehr Oberviechtach wurde am 9. Juli 1865 gegründet. In den kleineren Gemeinden des damaligen Bezirksamts Neunburg v.W. sah es dagegen mit dem Brandschutz noch schlecht aus. Man verließ sich - oft genug aus wirtschaftlicher Not - noch lange auf den heiligen Florian.

Brandunglück in Obermurach

In Obermurach ereignete sich in der Nacht vom 29. auf den 30. Juni 1850 eine verheerende Brandkatastrophe. In der Scheune des Maurerbauern Mathias Krämer, damals Hs.-Nr. 8 (jetzt Hs.-Nr. 11) war Feuer ausgebrochen, welches sich rasch nach Osten hin ausbreitete. Neun Anwesen wurden in Schutt und Asche gelegt. Allgemein wurde Brandstiftung vermutet, eine polizeiliche Untersuchung wurde jedoch noch im selben Jahr ohne Ergebnis eingestellt. Die eingeäscherten Anwesen waren insgesamt mit einer Summe von 15.650 Gulden brandversichert.

Nach einer Selbstanzeige des Schneidergesellen Stephan Haas aus Eigelsberg wurde am Schwurgericht für die Oberpfalz und Regensburg am 17.2.1854 gegen diesen wegen Brandstiftung verhandelt. Haas gab an, gegen 23 Uhr das Feuer gelegt zu haben. Er habe aus Rache gehandelt, weil er sich als Hütebub von der Familie des Maurerbauern ungerecht behandelt fühlte.  Das Gericht schenkte seiner Aussage jedoch keinen Glauben und vermutete, dass Haas, der seit 1852 eine Zuchthausstrafe in einem auswärtigen Gefängnis absaß, mit seiner Aussage eine Verlegung in das Oberviechtacher Gefängnis erreichen wollte. Dieses befand sich damals angeblich in schlechtem baulichem Zustand und man mutmaßte, er hätte dort eine Chance zur Flucht gesehen. (Quelle Regensburger Zeitung, Ausgabe 1854 Nr. 53)

Ein weiteres Brandunglück, bei dem ebenfalls mehrere Anwesen betroffen waren, hatte sich bereits 1844 ereignet, dazu liegen allerdings keine näheren Angaben vor.

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Obermurach um 1960

Erste Entwicklungen des Feuerlöschwesens

Mit dem Löschwesen war es um diese Zeit in Obermurach schlecht bestellt. 1877 stellte das Bezirksamt Neunburg v.W. fest, dass die Gemeinde Obermurach noch keine fahrbare „Löschmaschine“ besitzt und forderte sie auf, eine solche zu beschaffen. Die Behörde schlug vor, entweder eine kleinere eigene Löschmaschine zum Preis vom 600 Mark oder aber zusammen mit den Gemeinden Wagnern, Pertolzhofen und Nottersdorf (!) eine gemeinschaftliche größere Löschmaschine um 900 Mark anzuschaffen. Dazu wurde finanzielle Unterstützung in Aussicht gestellt.

Der Gemeindeausschuss (Gemeinderat) Obermurach zeigte sich von diesem Ansinnen wenig begeistert. Bürgermeister Johann Härtl begründete die Ablehnung wie folgt:

„Bekanntlich liegen die zumeist oder ganz und gar aus kleinen Hütten bestehenden Ortschaften der Gemeinde mit Ausnahme der beiden Mühlen Knau- und Steinmühle auf sehr hohen Bergen, die Ansicht dem Markte Oberviechtach zugekehrt. Dieses ist die Folge, dass jedes außerordentliche Ereignis in den Ortschaften sofort und immer von den Bürgern des Marktes wahrgenommen und angenommen, dass Feuer in irgendeiner Hütte entstand unverzüglich von diesen Bewohnern und insbesondere von der dort bestehenden Feuerwehr zur Hilfeleistung abgegangen wird. Ebenso ist bekannt, dass die Gemeindebewohner mit jenen dagegen von Wagnern, Pertolzhofen und Nottersdorf angesichts der geographischen Lage dieser Gemeindebezirke ganz und gar keine Verbindung und keinen Verkehr haben. Ferner ist leider nur zu gut bekannt, dass die Bewohner der Ortschaften der Gemeinde Obermurach immer Mangel an Wasser und solches kaum so viel haben, um das Notwendigste zur Nahrung für sich und für das Vieh zu decken. Aber allgemein ist bekannt, dass ohne hinlänglichen Wasservorrat zu haben die Löschmaschinen ihre Tätigkeit nicht entfalten und ihrem Zwecke entsprechen können, sondern vorkommenden Falles nur hinderlich im Wege stehen.“

Weiterhin wurde angeführt, dass noch fünf ganz gute Feuerhaken vorhanden wären, welche bekanntermaßen bestens geeignet sind, brennende Gebäude und nach Umständen auch die hieran stoßenden einzureißen und umzulegen. Der Ausschuss bat, von dem Verlangen abzusehen. Tatsächlich gelang es der Gemeinde, eine solche kostspielige Anschaffung noch ca. 20 Jahre hinauszuzögern. Oberviechtach verfügte bereits 1865 über eine leistungsfähige Feuerspritze.

Dennoch ließ die Aufsichtsbehörde nicht locker, den Feuerschutz in der Gemeinde zu verbessern. Nach einer distriktspolizeilichen Anordnung meldete Bürgermeister Härtl am 15. November 1878, dass in Obermurach eine Pflichtfeuerwehr organisiert und in „Spritzen- und Ordnungsmänner“ eingeteilt wurde. Der Bürgermeister versicherte, dass „genaue Kontrolle jederzeit geführt und Renitenz sofort zur Anzeige gebracht“ werde. Auch wurde zugesagt, dass künftig regelmäßige Feuerwehrübungen angesetzt werden, wobei gleich für das laufende Jahr 1878 von einer solchen wegen eingetretenen Schneewetters abzusehen sei. In den Folgejahren liegen regelmäßige Berichte über die zweimal jährlich abgehaltenen Feuerwehrübungen vor. Darin ist auch genauestens festgehalten, welches Pflichtmitglied daran nicht teilnahm sowie die Gründe für das Fernbleiben. Der Pflichtfeuerwehr Obermurach gehörten auch die Männer aus dem Gemeindeteil Niesaß an.

1880 berichtet die Gemeinde, dass der unter der Ortschaft Obermurach befindliche Feuerweiher von Schlamm gereinigt wurde und auch der in der Ortschaft Niesaß befindliche Feuerweiher in guten Wasserzustand ist. Für eine Neuanlage eines Feuerweihers innerhalb von Obermurach würde der Platz sowie das notwendige Wasser fehlen. Offensichtlich wurde der bereits seit Pflegamtszeiten bestehende Weiher in der Oberen Point (Wirts-Point) kurzerhand zum Feuerweiher umfunktioniert.

Mit der Wasserversorgung in Obermurach hatte man schon seit jeher seine liebe Not. Die Dorfbewohner holten sich ihr Wasser lange Zeit aus einem oberen und einem unteren Dorfbrunnen. Außerdem wird 1854 noch von drei, 1881 von fünf privaten Brunnen berichtet.

In einen Bericht zur Gemeindevisitation 1890 durch das Königliche Bezirksamt Neunburg v.W. wird von einer vorhandenen Buttenspritze nebst 10 Meter Schlauch berichtet. Die Gemeinde soll diese mit einer gutsitzenden Decke versehen, um sie vor Schmutz zu bewahren. Auch wäre bei der nicht unbedeutenden Größe und Einwohnerzahl der Gemeinde die Beschaffung einer zweirädrigen Saug- und Druckspritze ins Auge zu fassen. Weiter beanstandet das Amt, dass die vorhandenen Feuerleitern unter keinen Umständen zum Privatgebrauche ausgeliehen werden dürften.

Am 5.10.1891 brannte innerhalb der Burg das Haus Nr. 30 a ab. Der Eigentümer wurde wegen Brandstiftung angeklagt und verurteilt. Weiter brannten Mitte der 1890er Jahre vermutlich durch Blitzschlag die Gehöfte mit der alten Hs.Nr. 17 (Hausname Steinschuster) und 18 (Hausname Müllner) ab. Über einen Feuerwehreinsatz bei diesen Ereignissen liegen allerdings keine Berichte vor.

Im September 1894 wird die Gemeinde vom zuständigen Bezirksamt zur Bildung einer Freiwilligen Feuerwehr aufgefordert. Nach Drängen der Gemeindeverwaltung erklärten sich noch in diesem Jahr tatsächlich 20 Gemeindebürger dazu bereit, einer solchen beizutreten, da ein spürbarer Zuschuss zu „Ausrüstungsgegenständen und Armatur“ in Aussicht gestellt wurde. Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr trugen im Gegensatz zur Pflichtfeuerwehr Uniform. Die Anschaffung der nötigen Ausrüstung auf eigene Kosten schreckte aber die meist nahezu mittellosen Familien von einem Beitritt ab.

Die technische Ausrüstung wird verbessert

Im Dezember 1894 beschloss die Gemeinde Obermurach unter Bürgermeister Albang, eine zweirädrige Feuerspritze mit Sauger nebst 20 Meter Schläuche zu beschaffen. Am 25. Januar 1895 wurde mit der Firma Paul Ludwig in Bayreuth ein entsprechender Kaufvertrag abgeschlossen. Die neue Spritze besaß eine Zylinderweite von 75 mm und leistete eine Wasserlieferung von 120 Liter in der Minute bei einer Strahlenweite von 24 Meter. Der Preis belief sich auf 390 Mark.

Ursprünglich diente der Hauserner Glockenturm zur Unterbringung der Feuelöschrequisiten. Nach Anschaffung der Feuerspritze wurde vermutlich das erste Feuerwehrhaus gebaut, ein hölzernes Gebäude, welches sich vor dem Anwesen Fröhler links an der Straße zur Burg befand. 1902 wird mitgeteilt, dass der Fußboden im Feuerwehrhaus mit einem „Portlandcementboden“ versehen wurde. Die Feuerspritze kam in den ersten Jahren anscheinend nicht in Einsatz, denn das Bezirksamt forderte 1911 die Gemeinde auf, das Feuerhaus von den Spinnweben zu säubern und die Löschmaschine, die verstaubt ist, gründlich zu reinigen und mit einem großen Tuch zuzudecken.

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Oberer Dorfplatz um 1900. Der alte Glockenturm befand sich gegenüber dem heutigen Standort. Links dahinter das hölzerne Feuerwehrhaus, dazwischen ist das „Kaiserpeter“-Haus zu sehen.

Die Freiwillige Feuerwehr Obermurach wird am 22.10.1906 gegründet

Unterdessen wurde von der Regierung der Oberpfalz immer größerer Druck wegen Bildung von Freiwilligen Feuerwehren ausgeübt. Das Bezirksamt Oberviechtach meldete um 1904, dass von 37 Gemeinden in ihrem Bezirk noch in 8 Gemeinden keine freiwillige Feuerwehr besteht, nämlich in Altenschneeberg, Bernhof, Eigelsberg, Hof, Nottersdorf, Obermurach, Wagnern und Wildeppenried.

Am 24. Oktober 1906 schließlich erging vom Königlichen Bezirksamt Oberviechtach ein Schreiben an die Regierung der Oberpfalz zum „Stand der freiwilligen Feuerwehren“ mit dem Inhalt:

„In der Gemeinde Obermurach wurde am 22. dieses Monats eine freiwillige Feuerwehr gegründet“

Etwas irritierend ist allerdings ein Eintrag in der Obermuracher „Liste der freiwilligen und Pflichtfeuerwehr“, datiert vom 20.02.1938. Dort ist zu lesen: Die Freiwillige Feuerwehr Obermurach wurde gegründet am 7. April 1907, Unterschrift Roßmann, BBI. Möglicherweise wurde die „konstituierende Sitzung“ nach der offiziellen Mitteilung in das Frühjahr verschoben. Jedenfalls wird bei den in dieser Liste aufgeführten Gründungsmitgliedern als Beitrittsdatum der 7.4.1907 genannt. Diese waren:

Michl Steger (* 1885), Johann Albang (*1872), Paulus Herdegen (*1878), Georg Wild (*1873), Josef Elsner (*1870), Dionys Ringlstetter (*1859), Baptist Hartinger (*1866), Peter Gradl (*1868), Baptist Verschl (*1888), Karl Hanweck (*1887), Wolfgang Pronold (*1878), Michl Baumer (*1880) und Clement Thanner (*1862). (In dieser Liste von 1938 sind allerdings die bis dahin Verstorbenen oder Weggezogenen nicht mehr aufgezählt). Als erster Kommandant wird 1910 Josef Fröhler (*1881) genannt. Auffallend ist, dass hier keine Bewohner der Ortschaft Niesaß enthalten sind.

Über die ersten Jahrzehnte der Wehr liegen kaum Berichte vor. Im Ersten Weltkrieg 1914 – 1918 verloren folgende Obermuracher, mutmaßlich ebenfalls Feuerwehrmitglieder ihr Leben:

Beck Johann, Boier Johann, Boier Josef, Boier Konrad, Ringlstetter Thomas, Steger Josef.

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Die älteste Aufnahme der Feuerwehr Obermurach entstand in den 1920er Jahren. Im Bild 1. Reihe v.li.:  Fröhler Josef, Pronold Wolfgang, Zimmermann Adam, Herdegen Paul, Thanner Clement, Wild Georg, Hanweck Karl, Hartinger Baptist, Gradl Peter, ? 2. Reihe 1. v.li.: Steger Michael, alle Gründungsmitglieder.

Am 4.5.1928 findet sich in den Gemeindeunterlagen ein Eintrag: „Verleihung von FW-Ehrenzeichen durch den Gemeindediener“. Leider ist näheres dazu nicht in Erfahrung zu bringen.

1934 wird Michl Steger (*1885) als Vorstand, Christoph Thanner (*1893) als Kommandant, Anton Ferschl (*1876) als Schriftführer und Ludwig Albang (*1902) als Kassier genannt.

Christoph Thanner verunglückte am 15.07.1939 in Folge eines Blitzschlages nahe beim sog. Gallikreuz tödlich. Erwähnt soll ein weiterer Unglücksfall sein: Am 3. Juli 1935 ertrank der 75jährige Tagelöhner Michael Heldwein, Hausname Seppl-Kathl-Michl (alte Hs.-Nr. 28) im „Widnweiher“.

Neben der Freiwilligen Feuerwehr existierte in den 1930er Jahren noch immer die Pflichtfeuerwehr Obermurach. Die Feuerwehren in Deutschland waren in der Zeit des Nationalsozialismus dem Polizeiwesen angegliedert. Während des 2. Weltkriegs wurden zahlreiche Feuerwehrmänner zu Wehrmacht und Kriegsdienst eingezogen. Vielen von ihnen war eine Heimkehr nicht mehr beschieden. Aus den Reihen der Obermuracher Feuerwehr waren dies: Albang Karl, Baumer Alois, Eckl Georg, Härtl Johann, Härtl Josef, Hanweck Karl, Hartinger Christoph, Pronold Josef, Ring Josef, Steger Martin, Steindl Georg, Steindl Ludwig, Verschl Johann, Wild Xaver und Zeitler Michael.

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Diese Aufnahme entstand Anfang der 1930er Jahre vor dem Gasthaus Albang. Der Personen v.li., soweit sie bekannt sind:  6. Martin Steger, 7. Johann Härtl, 8. Christoph Hartinger, 9. Baptist Verschl, 10. Christoph Thanner, 11. Josef Pronold, 13. Ludwig Albang, 15. Anton Albang, 16. Johann Herdegen

Eine neue Zeit beginnt

Nach 1945 mussten sich die Feuerwehren neu aufstellen. Eine Pflichtfeuerwehr gab es in Obermurach nicht mehr. Gemäß dem bayerischen Feuerwehrgesetz mussten alle Männer im Alter zwischen 18 und 60 Jahren, soweit sie nicht Mitglied in einem Feuerwehrverband oder einer gleichwertigen Schutzorganisation waren, die sogenannte Feuerschutzabgabe zahlen. Schon um dies zu vermeiden, traten nahezu alle Obermuracher Männer der Wehr bei. Aber natürlich war es in erster Linie „Ehrensache“ und eine Selbstverständlichkeit, sich in die Gemeinschaft einzubringen und zur Dorfgemeinschaft dazuzugehören. 1995 wurde die Feuerschutzabgabe abgeschafft.

Im Februar 1947 am Fastnachtssonntag suchte eine weitere Feuerkatastrophe das Dorf heim. In der Gastwirtschaft Albang entstand ein Brand, nach mündlicher Überlieferung durch aus dem Holzherd herausfallende Glut. Bei diesem Unglück starb das neun Monate alte Kind der Familie Mühlbauer, die in der Wirtschaft logierten. Mühlbauer war als Treuhänder der Gastwirtschaft „Bergblick“ (späteres Arbeiterwohlfahrtheim, jetzt Dorfgemeinschaftshaus) tätig. Es brannten die Küche sowie zwei angrenzende Zimmer links vom Eingang aus. Weiterhin gibt es spärliche mündliche Berichte über einen Schwelbrand im Arbeiterwohlfahrtsheim nach einem Blitzeinschlag in der Zeit um 1950.

Die Obermuracher Freiwillige Feuerwehr organisierte sich nach dem Krieg wieder. In der 1951 neu angelegten Grundliste der FFW Obermurach werden genannt:

Thanner Klement (*1922) Kommandant

Wild Johann (*1915) Adjutant

Herdegen Johann (*1912) Gerätewart

Lintl Johann (*1900) Vorstand (der Name wurde durchgestrichen, daruntergeschrieben - vermutlich ab 1963) Albang Anton (*1905)

Johann Gassner (*1904) Kassier und Schriftführer

Wolfgang Ringlstetter (*1889) Vereinsdiener

Diese Vorstandschaft hat vermutlich bis 1966 die Obermuracher Wehr geleitet. In dieser Liste erscheinen erstmals viele neue Familiennamen, teils von Männern, die „eingeheiratet“ haben, nachdem der vorgesehene Hoferbe aus dem Krieg nicht mehr zurückkam, teils von Vertriebenen, die hier eine neue Heimat gefunden haben. Auch Niesaßer Männer waren nun bei der FFW Obermurach dabei.

Das gesellschaftliche Leben kam bei der Feuerwehr nicht zu kurz

Am 28. und 29. Juni 1953 feierte die Feuerwehr Obermurach ihr 50jährige Stiftungsfest mit Fahnenweihe. Warum dieses Jahr ausgewählt wurde lässt sich heute nicht mehr rekonstruieren. Vermutlich lagen in der Gemeindeverwaltung keine Unterlagen über das tatsächliche Gründungsjahr vor und so genau nahm man es dann halt einfach nicht.

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Auf der Wirtspoint zwischen dem Wirtshaus und dem Schwemmweiher wurden unter freiem Himmel selbstgezimmerte Tische und Bänke aufgeschlagen. Zugang war in Höhe des jetzigen Parkplatzes. Es spielte die Stadtkapelle Oberviechtach unter Leitung von Max Grünthanner. Die Gastvereine, die zu Fuß ankamen, wurden mit Musik eingeholt und zum Festplatz geleitet. Vormittags wurde ein Festgottesdient abgehalten. Der Altar war oberhalb des Glockenhäusl beim Anwesen Fröhler. Zelebrant war ein Pater aus Weiden. Der Stadtpfarrer Sindersberger hatte seine Teilnahme (angeblich) verweigert, weil der Leiter der Stadtkapelle geschieden war und mit einer anderen Frau zusammenlebte. Die Aufstellung zum Festzug erfolgte beim Anwesen Wild (nach mdl. Überlieferung v. Anton Ernstberger). Fahnenbraut war Therese Hanweck, Festjungfrauen: Mina Verschl (später Ilchmann), Thea Ringlstetter (später Treiber), Marianne Krämer (später Kirschenbauer, Bahnhof Niedermurach), und Gretl Albang.  Die Leitung übernahmen Kommandant Klement Thanner und Vorstand bzw. Bürgermeister Johann Lintl. Das Wetter war gut.

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Fahnenweihe am 28. Juni 1952, die Festdamen v.li.: Thea Ringlstetter, Mina Verschl, Resi Hanweck (Fahnenbraut), Gretl Albang, Marianne Krämer, Festmädchen li: Hildegard Albang

Auf der neu geweihten Feuerwehrfahne steht der Leitspruch der Feuerwehr Obermurach geschrieben: In Fried‘ und Sturmeszeit pfleg treu die Einigkeit.

Es lässt sich nicht feststellen, ob die Fahne zu diesem Fest neu angeschafft wurde oder ob bereits eine Vorgängerfahne existierte.

Am 29. Juni wurde im Rahmen dieses Festes in Obermurach ein Petersbaum auf dem Dorfplatz (vor den Anwesen Biegerl/Baumer) aufgestellt. Man mutmaßt teilweise, dass es sich dabei um einen verspäteten Maibaum, bzw. Khannesbaum (Johanni) gehandelt hat. Da jedoch die FW in einem Fest-Plakat ausdrücklich diesen Petersbaum ankündigte und darin um Anmeldung bis 1. Juni (!) bat muss angenommen werden, dass der Petersbaum tatsächlich als solcher geplant war. Nach mündlicher Überlieferung von Clement Thanner wurde auch 1951 und 1952 schon ein Petersbaum aufgestellt. Vor dem 2. Weltkrieg stellte man öfter einen Khannesbaum auf, als sein Vater noch Kommandant war. Anschließend gab es Tanz und Musik, einmal sogar eine Freilichtbühne vor der Küche des Wirtshauses. Die drei Kränze für den Baum wurden abends gemeinsam auf der Wirtspoint geflochten. An Kirchweih wurden die Bäume dann versteigert. Der Erlös kam in die Feuerwehrkasse, so berichtete Thanner.

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Aus einer Zeitungsnotiz erfahren wir, dass am 9.12.1954 sogar ein Vergnügungsausschuss gebildet wurde. Dessen Vorsitz übernahm der damalige Leiter des Obermuracher Erholungsheims Gruber. Noch am selben Abend wurde beim „Ball der Feuerwehr“ fleißig das Tanzbein geschwungen.

Für 1961 sind folgende Daten der Freiwilligen Feuerwehr verzeichnet: 18 aktive Mitglieder bei einer Einwohnerzahl von 140 Personen, technische Ausrüstung: eine Hand-Druckspritze, ist aber in schlechtem Zustand, 60 m B-Schläuche und 120 m C-Schläuche, 2 Strahlrohre, 1 Stützleiter, Finanzmittel 836 D-Mark.

Man kann sich allmählich etwas leisten

Der Gemeinderat beschloss am 8. Juli 1962 in Obermurach auf Grundstück Pl.-Nr. 82 ein Feuerlöschgerätehaus nach den Typenplänen des Landbauamtes Amberg zu bauen. 2000 DM Rücklagen hatte die Gemeinde angespart, aus der Feuerwehrkasse sollten weitere 1000 DM dazugelegt werden. Aus Mitteln zur Förderung des Feuerlöschwesens in Bayern wurden 2340 DM Zuschuss gewährt. Die Maurerarbeiten wurden an die Firma Bauer Niedermurach vergeben. Der Neubau erfolgte 1963.

1965 wurde bei der Fa. Krümpelmann KG in Landshut eine METZ-Tragkraftspritze TS 8/8 mit Zubehör beschafft. Die Kosten dafür beliefen sich auf 6.505,55 DM. Dazu wurde 1967 für 500 DM von der Gemeinde Pfrentsch ein gebrauchter luftbereifter Anhänger zur Beladung der Feuerwehrspritze gekauft.

1967 übernahm Karl Senft als Vorstand die Obermuracher Feuerwehr. In den Folgejahren ist ein reges Vereinsleben mit Preisschafkopfen, Christbaumversteigerungen, Vereinsausflügen und sogar einer weiteren Petersbaumaufstellung (1967) dokumentiert. Senft organisierte auch erstmals wieder eine Ehrung verdienter Feuerwehrmitglieder. 1972 erfolgte die Eingemeindung Obermurachs zur Stadt Oberviechtach. Die Freiwillige Feuerwehr blieb davon unberührt und mehr denn je gesellschaftlicher Sammelpunkt der Dorfbevölkerung.

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Petersbaumaufstellung 1967: Nach erfolgter Aufrichtung des Baumes werden die Schlüssel als Attribut des hl. Petrus angebracht.

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Die Stadtkapelle Oberviechtach unter Leitung von Robert Albang sorgte für die musikalische Unterhaltung.

1974 übernahm Helmut Ilchmann die Vorstandschaft. Ihm folgte 1976 folgte Alois Gürtler als Vorstand. Unter Gürtlers Regie wurde in diesem Jahr das Hauserner Burgfest eingeführt, welches seit dieser Zeit jährlich im August als Höhepunkt des Vereinsjahres unter Leitung der FFW Obermurach stattfindet. Dabei muss allerdings gesagt werden, dass auch unsere Vorfahren in den Jahren 1924 und 1927 bereits ein „Hauserner Burgfest“ veranstaltet haben. Im Jahr 1976 entstand auch die Hauserner Rittertruppe.

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Die Hauserner Raubritter

Wieder ein Großbrand in Obermurach

Am 26. September 1980 ereignete sich in Obermurach ein Großbrand. Gegen Mittag brach in der Scheune des Anwesens Eckl Feuer aus, das rasch um sich griff. Christl Thanner von der Obermuracher Wehr schleppte mit seinem Bulldog eilig die Feuerwehrspritze zum Weiher auf der Wirtspoint und so gelang es wenigstens, das nahe Wirtshaus vor den Flammen zu bewahren. In kürzester Zeit waren auch die Feuerwehren der Nachbarortschaften eingetroffen, die Einsatzleitung übernahm KBI Thammer aus Winklarn. Die eng aneinander stehenden Gebäude und der Wind begünstigten das Ausbreiten des Feuers. Es konnte nicht verhindert werden, dass der gesamte Beckerbauernhof (Eckl) und das Schmidanwesen (Herdegen) samt Schmiede vollständig abbrannten, ebenso die Stallungen der Wirtsfamilie Albang. Viele Rinder und Schweine verendeten in den Flammen. Einige Tiere rannten teils verletzt panisch im gesamten Dorf umher. Die Dorfbewohner räumten so gut es ging Einrichtungs- und Wertgegenstände aus dem Wohnhaus des Herdegen, als absehbar war, dass das Feuer nicht aufzuhalten war. Auf dem Tisch stand noch das angefangene Mittagessen. Einige Jungrinder der Familie Herdegen befanden sich in einem Nebengebäude. Sie hätten leicht noch ins Freie gebracht werden können, aber in diesem Chaos wurden sich schlicht vergessen! Die direkten Nachbarn Thanner und Rupp bemühten sich, mittels Gartenschlauch ihre Wohnhäuser zu schützen, durch Funkenflug qualmten teilweise die Dächer weiterer Nachbarhäuser bereits, aber die Feuerwehren hatte genug mit dem Hauptbrand zu tun, so dass auch hier die Hauseigentümer selbst tätig wurden. Es hätte nicht viel gefehlt, so wäre wieder das halbe Dorf abgebrannt.

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Großbrand in Obermurach am 26. September 1980, die Brandstelle von Osten gesehen

Es qualmte noch tagelang und stank nach Rauch und verbrannten Tieren. Die Brandleider kamen in der nächsten Zeit bei Nachbarn unter, bis ihre Häuser wieder aufgebaut waren. Das Dorf hat vorbildlich zusammengehalten. Ursache für die Feuersbrunst war Brandstiftung.

In jüngster Zeit

1995 wurde Manfred Senft zum Vorstand gewählt. Während seiner Amtierung, die bis 2020 dauerte, gab es zahlreiche Neuerungen: 1995 wurden erstmals Ehrenämter vergeben. 1996 wurden auch Frauen in die Feuerwehr Obermurach aufgenommen. Die Vereinsfahne wurde 1997 von der Fa. Kössinger in Schierling restauriert. Die Kosten dafür beliefen sich auf rund 6.000 Euro. Im Rahmen des Burgfestes am 3.8.1997 wurde die restaurierte Fahne von Dekan Bertold Helgert gesegnet. Ehrenvorstand Alois Gürtler sowie Bürgermeister Wilfried Neuber stifteten dazu je ein Fahnenband. Melanie Ilchmann und Kathrin Seidl, die die Bänder überreichten, trugen dazu ein Gedicht vor. Auch die 5jährige Manuela Hanweck sagte ein Sprüchlein auf.

Im Mai 1998 wurde eine neue Feuerspritze TS 8/8 für 17.500 DM angeschafft. Am 6.3.1999 wurde eine Vereinssatzung beschlossen, seither wird die Obermuracher Wehr als Verein „Freiwillige Feuerwehr Obermurach e.V.“ fortgeführt. 2002 wurde von der Stadt Oberviechach das ehemalige Erholungsheim Obermurach der Dorfgemeinschaft als neuer Treffpunkt und Veranstaltungsort überlassen. In zahlreichen Arbeitsstunden wurde das Gebäude von den Feuerwehrmitgliedern renoviert. Das bisherige Vereinslokal, die seit mindestens drei Jahrhunderten bestandene Tafernwirtschaft Albang schloss nach dem Tod der letzten Besitzerin Hilde Albang im Dezember 2017. Feuerwehrversammlungen und Gesellschaftsveranstaltungen finden seither im Dorfgemeinschaftshaus statt.

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Viele fleißige Helfer decken das schadhafte Dach neu ein. So entsteht für die Dorfgemeinschaft Obermurach ein Haus der Begegnung und des Miteinanders.

 

Kommandanten der FFW Obermurach waren seit 1967:

Helmut Ilchmann             von 1967 bis 1974

Josef Fröhler                     von 1974 bis 1990

Josef Hanweck                 von 1990 bis 1996

Johann Ilchmann             von 1996 bis 2008

Thomas Hanweck            seit 2008

Als Vorstand führt seit 2020 Christian Bindl die Geschicke des Vereins. Die Freiwillige Feuerwehr Obermurach e.V. hat derzeit (Stand 2020) 113 Mitglieder.

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Quellen:

StAAm: BA Oberviechtach, Gemeindevisitationen Obermurach, 2582; BA Neunburg v.W., Gemeindevisitationen Obermurach, 834; Verzeichnis der Freiw. Feuerwehren des Bayer. Landesfeuerwehrverbandes 1898; BA Oberviechtach, Feuerlöschwesen Obermurach, 3476, sowie Stadtarchiv Oberviechtach: Gemeindeakten Obermurach

Bilder: J. Wild

Autorin: Hedwig Pamler